Der Garten Herlet – ein schützenswerter außerschulischer Lernort der Universität in Koblenz

Der bislang unbebaute Koblenzer Garten Herlet, der nun Hotelneubauten zu Opfer fallen könnte, ist ein in der Region Mittelrhein einzigartiger außerschulischer Lernort und wird sowohl in der Lehre der Universität Koblenz-Landau als auch bei den zahlreichen, anliegenden Schulen gewinnbringend genutzt.

Er zeichnet sich vor allem durch ein vielfältiges Mosaik typischer urbaner Biotope aus. Dazu gehören zum Beispiel die reich mit Moosen und Farnen bewachsenen Natursteinmauern sowie artenreiche Pflanzen-Gesellschaften in den Mauerritzen des Gartens. Dort wachsen der Mauerrauten-Farn, der Braunstielige Streifenfarn, das Echte Seidenmoos und das Gelbliche Seidenmoos. Daneben sind blütenreiche Wildkraut-Gesellschaften am Rand der Beete anzutreffen. So wächst dort der Weiße Gänsefuß, die Dürrwurz, der Schwarze Nachtschatten oder auch die Zaunrübe. Ebenfalls bemerkenswert und für die Insektenfauna von großer Bedeutung sind die in den Beeten gepflanzten Stauden und ihre Begleitflora. Sie dienen dem Erhalt der Insektenvielfalt.

Bei einer zweistündigen Begehung des Gartens im August 2020 konnten bereits etwa 100 Wildpflanzenarten nachgewiesen werden. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der Schwarzpappel Populus nigra, die bundesweit gefährdet ist. Die einzigen weiteren reinen Schwarzpappel-Populationen zwischen Bonn und Koblenz befinden sich auf der Insel Nonnenwerth und auf dem Namedyer Werth. Bei allen anderen Pappeln handelt es sich um Exemplare der Kanadischen Hybridpappel.

Darüber hinaus ist auch die Fauna beachtlich: Zahlreiche Wildbienen, die fast alle geschützt sind, nisten in den aufgestellten Wildbienenkästen. Mehrere Libellenarten, von denen alle geschützt sind, konnten am Garten-Teich gesichtet werden. Der Garten Herlet ist auch ein wichtiges Revier für Fledermäuse, zum Beispiel für die Zwergfledermaus. Diese Art ist auf Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet und daher europaweit besonders geschützt.

Wichtig für die MINT-Region

Zukünftig soll Koblenz zum regionalen Netzwerk zur Stärkung der naturwissenschaftlich-technischen Bildung, zu einer sogenannten MINT-Region, ausgebaut werden, um den Fachkräftemangel in diesen Bereichen zu beheben. Hierfür sind naturnahe Standorte in Innenstädten von entscheidender Bedeutung. Im Rahmen des Ausbaus der MINT-Region Koblenz spielt der Garten Herlet als außerschulischer Lernort eine wichtige Rolle: Hier können spezifische naturwissenschaftliche Kompetenzen vermittelt und erworben werden. Für das Fach Biologie spielen die Kompetenzbereiche Fachwissen und Kommunikation eine besondere Rolle.

Daher hat die Abteilung Biologie, insbesondere die Arbeitsgruppen Botanik und Biodiversitätsforschung sowie Fachdidaktik Biologie die Entstehung und Entwicklung des Gartens Herlet in Koblenz intensiv begleitet. Die Entstehung des Gartens Herlet und seine Bedeutung als außerschulischer Lernort wurde im Rahmen einer Staatsexamensarbeit intensiv begleitet. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren regelmäßige Exkursionen mit Studierenden in den Garten durchgeführt. Zukünftig soll der Garten im Rahmen der Lehrerausbildung in Zusammenarbeit mit der universitären Lehrbeauftragten Dr. Birgitta Goldschmidt, Fachberaterin für Schulgärten und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), ausgebaut werden.

Durch geplante Hotelneubauten im Umfeld des Gartens Herlet würde dieser stark beschädigt und zahlreiche Strukturen unwiederbringlich zerstört. Dies betrifft alle Baumaßnahmen, sowohl ober- als auch unterirdisch, die das Gelände tangieren.

Bild unten: Universität Koblenz-Landau