Neuendorfer Gassen erhalten Namen

(Koblenz: 16.05.17) Im Koblenzer Stadtteil Neuendorf gab es Gassen, die keine offiziellen Namen hatten. Dieser Zustand gehört nun der Vergangenheit an, denn Baudezernent Bert Flöck hat gemeinsam mit Vertretern des Stadtrates und des Ortshistorikers Willi Gabrich, der sich um die Namensfindung verdient gemacht hat, die Schilder der neu benannten Gassen freigegeben.

Die Namen der Gassen lauten:

Deisens Schläwje
An der Ecke des Durchgangs / Handwerkerstraße wohnte die Familie Deisen, sie wird in den Koblenzer Adressbüchern ab 1892 erwähnt.

Schmitzes Schläwje
Die Familie Schmitz wohnte an der Ecke des Durchgangs / Hochstraße. Das Grundstück zog sich entlang dieses Durchgangs bis zur Handwerkerstraße.

Nach dem „Neuen Wörterbuch der Koblenzer Mundart“ von Hannelore Kraeber bezeichnet der Begriff „Schläwje“ eine schmale Gasse, Pfad. Daher wird zur Aufrechterhaltung der Koblenzer Mundart dieser Begriff gewählt.

Künzersgasse
Die Familie Cünzer, nachher Künzer, betrieb in Neuendorf Landwirtschaft und ist nach dem Umzug von Lützel nach Neuendorf in den Koblenzer Adressbüchern von 1894 im Bereich dieser Gassen wohnend erwähnt. Die Familie war auch im Koblenzer Stadtrat vertreten und hatte ein Kanonikeramt in Mainz. Im Bereich der nach dieser Familie benannten Gasse wurde im Rahmen von Bauarbeiten ein Grenzstein von 1784 mit den Initialen T C (Thaddäus Cünzer) sowie einen Teil eines barocken Bildstocks / Wegekreuz mit der Inschrift von Matthias Cünzer und Ehefrau Maria Melz gefunden.

Eidamsgasse
Jakob Eidam war Kapitän des Schiffes Overstolz in der preußisch-rheinischen Dampfschiffahrtgesellschaft und wohnte im Bereich der Gasse. Die ehemalige Bezeichnung Thielsgasse leitet sich von einer dort wohnenden Familie Thiel ab, die aber historisch nicht so bedeutend war, wie die Familie Eidam.

von-Nell-Gasse:
Die Familie Nell (später geadelt und ab dann „von Nell“) war in Neuendorf lange Jahrzehnte ansässig und unternehmerisch im Weinhandel und der Holzflößerei tätig. Später wird die Familie noch als kurtrierischer Fährpächter von Neuendorf nach Urbar benannt. Niklas von Nell gilt zudem als Wohltäter des Klosters Wallersheim. In Neuendorf bekannt ist noch im Besonderen Christianus von Nell, einst K. und K. Major in polnischen Diensten, der 1732 das historische Haus „Am Ufer 11“ erbaute und mit einem derben Spruch auf dem Torbogen versah.

Foto:
Baudezernent Bert Flöck (4. v.r.) und Ortshistoriker Willi Gabrich (6. v.l.) stellten in Neuendorf neubenannte Gassen vor - hier die von-Nell-Gasse. Dabei waren auch mit Vertreter des Stadtrates und Nachfahren der Namensgeber der einzelnen Gassen.