GK-Mittelrhein & RMF kooperieren in der Schlaganfallversorgung
Maximalversorger und Landeskrankenhaus bilden regionales Netzwerk

REGION. Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein mit seinen fünf Standorten und die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach werden ihre sehr gute Zusammenarbeit in Zukunft weiter ausbauen. „Aufbauend auf den Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre soll durch die Bündelung vorhandener Strukturen und deren telemedizinische Vernetzung eine standortübergreifende Schlaganfallversorgung auf modernstem Stand der Wissenschaft ermöglicht werden“, erläutert Georg Schmitz, Prokurist des GK-Mittelrhein. „Wir greifen damit den Gedanken des Telestroke Netzwerks des Landes auf und nutzen die guten regionalen Strukturen, um eine zeitschnelle Diagnostik mit einer ebenso schnellen Therapie zu verbinden“, sagt Werner Schmitt, stellvertretender Geschäftsführer und Regionaldirektor Nord des Landeskrankenhauses.

Was dies konkret bedeutet, erläuterten die beiden Chefärzte Dr. Christian Bamberg (Neurologie und Klinische Neurophysiologie der RMF) und Prof. Dr. Stephan Felber (Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie, GK-Mittelrhein) nun bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. „In der Fachsprache heißt es ´time is brain` – das Gehirn muss so schnell wie möglich behandelt werden. Damit dies möglich ist, wird der Patienten im gesamten Einzugsgebiet ab sofort an den ihm am nächsten Standort gefahren. Dort wird er dann in einer Videokonferenz von mehreren Fachärzten diagnostiziert“, erläutert Bamberg. Ergänzend schließt sich vor Ort eine Therapie nach aktuellstem Stand der Forschung an. „Demnach greifen wir nicht mehr ausschließlich auf die Lyse, eine intravenöse Gabe eines Medikaments zur Auflösung des Blutgerinnsels, zurück. Unter Umständen – bei großen Gerinnseln – kann es sinnvoll sein, eine Thrombektomie durchzuführen“, erklärt Felber.

Der entscheidende Unterschied ist, dass der Patient jetzt nicht mehr zeitaufwändig verlegt wird, sondern vor Ort auf den Kathetereingriff vorbereitet wird und der Arzt sich währenddessen bereits auf den Weg macht. „Wir sprechen also von einem mobilen Einsatzteam, dass dem Patienten in den allermeisten Fällen etwa eine Stunde eher helfen kann als zuvor. Das ist ein riesiger Zeitgewinn, der der Lebensqualität unserer Patienten zugutekommt“, betont Felber, für den die operative Entfernung dieser Blutgerinnsel ein Routineeingriff ist.

Bevor das Netzwerk am 1. Juli 2016 seine Arbeit aufnimmt, werden noch zwei der sechs Standorte aufgerüstet. „Allein die Investition in die Technik ist sechsstellig und wird nicht gefördert. Als Maximalversorger sehen wir es allerdings als Auftrag, die Zusammenarbeit zwischen der RMF und uns noch weiter in die Fläche zu bringen und mehr Patienten zugänglich zu machen“, sagt Georg Schmitz. Und Werner Schmitt ergänzt: „Wir müssen auf den demographischen Wandel, der wegen der steigenden Lebenserwartung zwangsläufig zu mehr Schlaganfällen führen wird, reagieren – nicht nur weil wir als Stroke Unit pro Jahr bereits rund 800 Patienten mit Schlaganfall behandeln.“


Das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein ist das landesweit vierte Klinikum der Maximalversorgung. Hier kümmern sich ca. 3900 Mitarbeiter um mehr als 55000 stationäre und 122000 ambulante Patienten pro Jahr. Zum Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gehören die Krankenhäuser in Boppard (Heilig Geist), in Koblenz (Ev. Stift St. Martin und Kemperhof), in Mayen (St. Elisabeth) und in Nastätten (Paulinenstift). Darüber hinaus ist das Gemeinschaftsklinikum Betreiber von drei Senioreneinrichtungen, Kurzzeit- und Tagespflege, Einrichtungen des betreuten Wohnens, ambulanter Pflege und Rehabilitation und zwei Medizinischen Versor-gungszentren.

Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach – Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin Mainz – ist ein Behandlungszentrum für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie mit mehr als 1000 Betten in differenzierter Leistungsstruktur in der Trägerschaft des Landeskrankenhauses (AöR). Die Klinik ist Zentrum gemeindepsychiatrischer Verbundsysteme mit Tageskliniken, Institutsambulanz, psychiatrischen und heilpädagogischen Heimen und komple-mentären, außerklinischen Versorgungsaufgaben. Sie beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter.

Sie weiten ihre Zusammenarbeit auf das komplette Einzugsgebiet des GK-Mittelrhein und der RMF aus und erläuterten dies auch im Schockraum der Zentralen Aufnahme und Ambulanz im St. Elisabeth in Mayen (von links): Werner Schmitt, stellvertretender Geschäftsführer und Regionaldirektor Nord des Landeskrankenhauses, Georg Schmitz, Prokurist des GK-Mittelrhein, Chefarzt Prof. Dr. Stephan Felber und Chefarzt Dr. Christian Bamberg.