"Wie glücklich doch die Toten sind"



Wie glücklich die Lebenden, die das Schauspiel im Jugend- und Bürgerzentrum Koblenz Karthause (JuBüZ) miterleben durften, denn die Premiere war ausverkauft.
Die Zuschauer waren eingeladen nicht nur einen Streifzug durch beeindruckende Szenen vieler namhafter Dramaturgen und Schriftsteller geistig zu durchwandern, sie wurden dabei auch durch das ganze Haus geführt.

- Da tritt eine bezaubernde junge Frau auf, die sich ihrer Reize durchaus bewusst ist und trotzdem zweifelt - Vergänglichkeit?
- Die Darstellung einer gestorbenen, grauenhaften Beziehung, in der der Tod wahrlich eine Erlösung wäre.
- Die zwanghafte Beziehung eines jungen Mannes zu seiner Mutter, der nur in seinen Träumen seinem Gefängnis entfliehen kann.
- Die Bitte um Gnade, die nicht gewährt wird, da der Tod der Machterhaltung zu dienen hat.
- Zwei Menschen, die sich im Internet zu ihrem Freitod auf einer Felsenklippe verabredet haben, trotzdem nicht ohne einen liebevollen Abschied von der Welt, die sie zweifellos liebten, scheiden wollen.
- Eine Grafentochter, die erfährt, dass der Tod auch bei Klassenunterschieden keinen Unterschied macht.
- Bewerben Sie sich mal bei Ihrer Chefin um einen höheren Posten, wenn diese Ihnen nicht wohlgesonnen ist, und Sie werden merken, wie nahe der Tod sein kann.
- Zum Schluss noch die verletzte Seele eines jungen Mädchens, die in ihrer Sehnsucht nach dem Vergänglichem am See einem anderen Kind begegnet, das algenbesetzt und mit blauer Haut aus dem Wasser steigt, ihr einen Ausweg aufzeigt ...?

Ich hatte Gänsehaut und weiche Knie ...


Uns wurde eine Form modernen Theaters geboten, die es möglich macht in mehrere Bühnenbildern sich darzustellen. Zudem hat man das Gefühl in den einzelnen Szenen mitwirken zu können, als nur aus einem Zuschauerraum auf die Bühne zu blicken. Eine ganz neue und spannende Erfahrung, atmosphärisch unvergleichbar.

Michael Lüdecke ist es zum wiederholten Mal gelungen eine brillante Inszenierung auf die Bühne des JuBüZ zu zaubern. Mit seinen Darstellern, die aus generationenübergreifenden Mitgliedern zusammengesetzt sind (von 12 - 80 Jahren), ist er auf der Karthause zu einer Institution geworden, die nicht mehr wegzudenken ist. Seine Arbeit besteht nicht nur in der Vorbereitung zur Aufführung von Theaterstücken, die uns Zuschauern sehr viel Freude bereiten, sondern vielmehr in der theaterpädagogischen Entwicklungsarbeit. Sie dient der persönlichen Ausbildung des Charakters bei Jung und Alt. Leider kann das Publikum nur das Endprodukt bestaunen, aber das eigentlich Spannende, sind die Proben.
Bei diesem Ensemble gibt es keine Stars; das Ensemble ist der Star.
Deswegen möchte ich auch keine einzelnen Spieler hervorheben.
Nur eins: Ihr wart alle großartig!

Jeder, der in irgendeiner Weise zu einer dieser gelungenen Aufführungen beiträgt, ist genauso wichtig wie die- oder derjenige, der/die größte Rolle in dem Stück verkörpert. Das schafft eine ganz besondere Atmosphäre. Alle sind gleich wichtig. Das Miteinander steht im Vordergrund. Michael Lüdecke schafft es zudem, aus jedem Darsteller das Optimum herauszuholen, was die großen Erfolge des Stadtteiltheaters beweisen.
Dieser Artikel macht Ihnen hoffentlich Lust auch einmal hinter die Kulissen zu blicken. Jeder kann und darf mitmachen. Das lohnt sich. Glauben Sie mir. Ich selbst habe bei einigen Aufführungen und Probejahren mitwirken und teilnehmen dürfen und möchte diese gute Erfahrungen in meinem Leben nicht missen. Wenden Sie sich einfach an Michael Lüdecke oder dem Team des JuBüZ, das Ihnen darüber hinaus noch viele andere interessante Freizeitgestaltungsmöglichkeiten für Jung und Alt anbieten kann. Einrichtungen dieser Art sind ein Wegweiser für ein besseres Miteinander, und es gibt leider noch viel zu wenige davon.

Foto 1: Eva Kretz und LisaMaria Müller in "Hinterland oder wo das Wasser endet"
Foto 2: Teresa Langenbahn in ""Fräulein Julie"
Foto 3: Das Ensemble Stadtteiltheater Koblen Karthause


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Text: Joe Schmelzer
Fotos: Elke Döbbeler