Samstag, den 20. Oktober 2012 fand in der Aula des Bundeszentralkrankenhauses Koblenz das 1. Symposium zum Thema "Alterszahnheilkunde - Die Versorgung Älterer mit Handicap"statt.
Zahlreiche Zahnärztinnen, Zahnärzte, zahnmedizinische Fachhelferinnen,-angestellte und -assistentinnen waren gekommen und es erwarteten sie vier Stunden spannendes Praxiswissen. Moderiert wurde die Veranstaltung von der 1. Vorsitzenden der Bezirkszahnärztekammer, Frau Dr. Margrit Brecht-Hemeyer.

1. Symposium zum Thema "Alterszahnheilkunde - "Die Versorgung Älterer mit Handicap"


Als erstes referierte Dr. jur. Mirko Steudle über die "Rechtlichen Aspekte der Behandlung - vor allem unter Betreuung". Spannend begann er sein Rede damit, dass rein rechtlich eine Behandlung den Tatbestand einer Körperverletzung darstelle und deshalb die Einwilligung des Patienten benötigt werde. Im weiteren Verlauf ging er auf die Problematik ein, dass ein Patient nicht mehr in der Lage sei, diese Einwilligung selbst zu geben. Dabei unterschied er zwischen der Einwilligungsfähigkeit und der Geschäftsfähigkeit. Erstere ist für die Behandlung notwendig, die Zweite für die Honorarforderung.
Er riet den Zahnärzten, im Zweifel zuerst einmal festzustellen, ob eine Einwilligungsfähigkeit vorliege, dies sei durch einfache Kontrollfragen, wie nach dem Tag, dem Aufenthaltsort, etc., recht leicht festzustellen. Ist diese Fähigkeit nicht vorhanden, müsse die Einwilligung seitens eines Betreuers erfolgen.
Der Betreuer muss das Wohl des Betreuten im Auge haben. Eine Betreuung sei keine Entmündigung, denn für eine Behandlung reiche die Einwilligung des Betreuers nicht aus, wenn der Patient diese verweigere.
Zur eigenen Rechtssicherheit, sollten sich die Zahnärztinnen, Zahnärzte den Betreuer-Ausweis zeigen lassen und die erteilte Einwilligung in der Patientenakte dokumentieren.

Dr. jur. Mirko Steudle

Das zweite Thema beschäftigte sich mit "Altern und Handicap: Auswirkungen auf das Parodontium- Therapeutische Möglichkeiten". Oberstarzt Dr. Thomas Eger (BWZKrhs Koblenz) referierte über Paradontose und Zahnverlust im Alter. Besonders da die Lebenserwartung immer mehr steigt, werden in Deutschland immer mehr ältere Menschen leben. Laut der WHO sollen im Durchschnitt 20 Zähne über das ganze Leben erhalten bleiben. Durch Paradontose besteht allerdings die Gefahr in relativ kurzer Zeit, viele Zähne zu verlieren. Dr. Eger hält die Mitarbeit des Patienten für einen wichtigen Faktor zum Zahnerhalt. Es sei enorm wichtig, dass dieser sich an die therapeutische Empfehlung seines Zahnarztes / seiner Zahnärztin halte. Nur so sei gewährleistet, dass nicht immer wieder von vorne angefangen werden müsse, mit der Folge, dass Zahnsubstanz verloren gehe.
Im weiteren Verlauf geht er auf die Besonderheit älterer Menschen ein, die entweder nur zum Teil Hilfe brauchen oder im schlimmsten Fall auf komplette Hilfe bei der Zahnpflege angewiesen sind. Insbesondere geht er auch auf die speziellen Probleme verschiedener Behinderungen ein, wie z.B. Down Syndrom, Hörgeschädigte oder Contergan.

Über "Grenzen des Haus- und Heimbesuches" referierte anschließend Dr. Willi Hemeyer aus Koblenz.
Bei dem Thema "Zahnarzt auf Rädern" beschäftigt er sich damit, was möglich ist, wo man besser aufhören solle und was die Grenzen der machbaren und sinnvollen Versorgung sind.
Besonders eindrucksvoll schilderte er den Zusammenhang zwischen Essen und gesunden Zähnen, bzw. den Ernährungsproblemen bei schlecht sitzendem Zahnersatz. So komme es vor, dass Patienten mangelernährt in ein Krankenhaus kämen, nur weil sie nicht kauen können.
Ein weiteres Problem im Alter seien auch die psychischen Erkrankungen, so leiden 20% der Älteren an Depressionen, dies beeinflusse auch die Behandlungsmöglichkeiten, ebenso wie andere Krankheiten dies tun und auch Einfluss auf die Zahnpflege haben.
Im weiteren Verlauf befasst er sich mit den besonderen Bedingungen und Möglichkeiten des Zahnersatzes im Alter.


Dr. Willi Hemeyer, Koblenz


Als nächster Referent unternimmt der Arzt und Zahnarzt Paul P. Baum aus Neuwied einen Ausflug in die Zahnpflege: "Wie halte ich mich im Mund fit? Ein Ratgeber für Menschen 55+". Dabei stellt er die SuperBrush - Zahnbürste vor, die leichtes Pflegen von Zähnen auch durch Pflegepersonal möglich macht. Bei der Zahncreme ist ihm wichtig, dass sie Fluorid enthält. Zusätzlich geht er auch kurz auf die Pflege von herausnehmbaren Zahnersatz ein. Näheres dazu findet man unter www.mundmedizin.de.

Den eindrucksvollen Abschluss des Symposiums bildete der Vortrag von Prof. Dr. Dr. Richard Werkmeister (BwZKrhs Koblenz). Er stellte Alterszahnmedizin und Zahnmedizin in der MKG Chirurgie anhand von konkreten Beispielen vor. So berichtete er über die Probleme der Blutungskontrolle bei einem älteren Patienten. Zahlen, Statistiken und Erklärungen bekamen auf einmal ein Bild - auch wenn man dem Patienten selbst nicht gegenüberstand.
Sein Vortrag war wie ein kleine virtuelle Visite durch die Klinik, und anhand aktueller Daten zeigte er die Probleme der Zahnmedizin im Alter auf. Je älter die Patienten werden, umso mehr weitere Erkrankungen bringen sie mit, die das Risiko eines chirurgischen Eingriffs erschweren.
Einen besonderen Augenmerk richtete er auch noch auf Hygieneaspekte beim chirurgischen Eingriff ganz besonders in Bezug auf resistente Keime.


Prof. Dr. Dr. Richard Werkmeister

Text und Fotos: Elke Döbbeler