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GK-Mittelrhein hat i-cor als erstes Haus in Rheinland-Pfalz

Koblenz

Neuartige Herzpumpe ermöglicht Behandlungen bei Hochrisiko-Patienten
KOBLENZ Es begann mit starken Schmerzen in der Brust. „Nachts bin ich vor Schmerzen aufgewacht – und dann kam noch dieses Engegefühl und die Luftnot dazu“, berichtet Helmut Engler. Ein Besuch beim Hausarzt endete mit der Überweisung zum Kardiologen. Im Raum stand „Stent setzen oder Bypass-Operation“. Der 74-Jährige aus Lünen bei Dortmund hatte bereits vor elf Jahren einen Stent am Herzen gesetzt bekommen und keine guten Erinnerungen an eine vergangene Operation: „Mein Problem ist eine sogenannte Thrombozytenfunktionsstörung, also ein Problem mit der Blutgerinnung. Das heißt, ich blute nach einer Verletzung oder in einer OP unglaublich und bekomme alles voller blauer Flecken. Bei einer Blasen-OP vor sechs Jahren habe ich 30 Blutübertragungen bekommen!“

 Dr. Waldemar Bojara (links), Chefarzt der Kardiologie im Kemperhof, verabschiedet Helmut Engler. Er ist einer der ersten Patienten im GK-Mittelrhein, der mit Hilfe eines neuen Kreislauf-Unterstützungs-Systems behandelt wurde, das synchron mit dem Herzen pumpt. Eine große Herz-OP konnte somit vermieden werden.

Über seinen Sohn bekam Helmut Engler Kontakt nach Koblenz zu Dr. Waldemar Bojara, Chefarzt der Kardiologe im Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein, Kemperhof. Die Diagnose nach der Herzkatheteruntersuchung war „alarmierend“, so Bojara. „Die Durchblutung im Herz war massiv gestört – ein Stent oder Bypass unvermeidlich.“ Ein Stent kann normalerweise bei vollem Bewusstsein in einem kurzen und unblutigen Eingriff im Herzkatheterlabor gesetzt werden. Für den Bypass ist dagegen eine richtige Operation notwendig. Das schwache Herz des 74-jährigen Rentners ließ allerdings eine „normale Stentbehandlung“ nicht zu. Zu hoch war das Risiko, dass während des Eingriffs der Kreislauf vollständig zusammenbricht. Eine Operation mit Öffnung des Brustkorbes schien unumgänglich. „Davor hatte ich aber richtig Angst“, sagt Helmut Engler.
Seit Ende vergangenen Jahres gibt es für Patienten wie Helmut Engler eine Alternative mit Namen „i-cor“. Das GK-Mittelrhein ist eines von wenigen Zentren in Deutschland, und das erste Haus in Rheinland-Pfalz, das mit diesem innovativen System an einer Studie teilnimmt und die ersten Patienten behandelt. „Es funktioniert grundsätzlich wie eine Herz-Lungen-Maschine und unterstützt während des Eingriffs die Arbeit des Herzens und somit den gesamten Kreislauf. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass das System synchron mit dem Herzen pumpt. Eine normale Herz-Lungen-Maschine kann das nicht, die arbeitet stetig“, erläutert Bojara. i-cor entlastet also das Herz, dadurch kommt es zu einer besseren Durchblutung der Herzkranzgefäße und der Patient behält einen stabilen Kreislauf. Zusätzlich reichert es das Blut direkt mit Sauerstoff an und ersetzt somit zum Teil auch die Lunge. „Angeschlossen“ wird das Gerät über zwei Schläuche in der Leiste. Ein speziell geschulter Techniker überwacht dessen Funktion, während der Arzt über die andere Leiste den oder die Stents setzt. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose, somit muss auch ein entsprechendes Anästhesie-Team vor Ort sein. Bojara hat rund zweieinhalb Stunden Zeit für das Setzen der Stents benötigt. „i-cor bietet dem Operateur die Sicherheit und die erforderliche Zeit, die Prozedur sorgfältig und vor allem vollständig durchführen zu können.“ Bis es allerdings zum routinemäßigen Einsatz des Systems auch außerhalb geplanter Eingriffe kommt, wird es noch dauern. „Wir benötigen ein großes und vor allem geschultes Team dafür“, berichtet er. „Der Aufwand ist enorm hoch.“
Helmut Engler ist einer der ersten Patienten, die im Kemperhof mit Unterstützung der neuartigen Herzpumpe behandelt wurden. „Für neue Technik bin ich immer zu haben“, lächelt er. „Ich habe das mit meiner Frau besprochen und wir sind beide zu dem Schluss gekommen, das auszuprobieren. Es war absolut die richtige Entscheidung. Mir geht es prima und ich habe mich hier sehr wohl gefühlt.“



 

i-cor bei schwierigen Koronarinterventionen – Studienteilnahme
Bei Hochrisiko-Herz-Patienten geht es in der Therapie um eine möglichst vollständige Wiederherstellung der Durchblutung des Herzmuskels. Während eines Eingriffs mit mehreren Stents können Phasen mit ausgedehnter Durchblutungsstörung entstehen, die zu Kreislaufzusammenbrüchen führen können. Das mechanische Kreislauf-Unterstützungs-System mit dem Namen „i-cor“ kann das verhindern und bietet dem Operateur Sicherheit und die erforderliche Zeit, die Prozedur sorgfältig und vollständig durchzuführen. Ohne i-cor müssten aufgrund des hohen Risikos Bypässe statt Stents gelegt werden. Dies bedeutet aber eine „richtige“ Operation am Herzen. Für Stents ist das nicht nötig.
Derzeit arbeiten weniger als 20 Zentren weltweit im Rahmen einer Studie mit i-cor, um Erfahrungen und valide Daten sammeln zu können, die dann nach Auswertung der Fachwelt zur Verfügung gestellt werden. Das GK-Mittelrhein wurde für die Teilnahme an der Studie ausgesucht, weil es als Zentrum seit mehr als vier Jahren große Erfahrung mit dem Einsatz von Kreislauf-Unterstützungs-Systemen hat, die auftretende Komplikationen auf ein Minimum reduzieren können.

 

GK-Mittelrhein hat i-cor als erstes Haus in Rheinland-Pfalz

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