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Rehafit therapiert erstmals mit Exoskelett

Koblenz

Aufrechter Gang hilft Querschnittgelähmten

KOBLENZ. Es klingt ein bisschen wie Science-Fiction: Ein Patient, nach einem Unfall seit über 20 Jahren ab dem dritten Brustwirbel komplett gelähmt, wird ab dem Rumpf in einen motorbetriebenen Anzug gekleidet. Schritt für Schritt geht er die Linienbemalung der Sporthalle von Rehafit im Ev. Stift St. Martin ab. Dieser motorbetriebene Anzug ist ein sogenanntes Exoskelett – eine Art äußeres Roboterskelett, das dem Körper eine zusätzliche Stützfunktion gibt und durch einen Motor betrieben das Strecken und Beugen der Beine steuert. Unterarmstützen verhindern dabei, dass der Patient umfällt. Ein riesiger Kraftakt für den Querschnittgelähmten Dirk, aber die Unterstützung durch seine Physiotherapeutin Alexa Maiwald hilft. Sie sichert Dirk von hinten ab und korrigiert seine Haltung. Die beiden sprechen viel miteinander, sind ein eingespieltes Team.

Punktlandung an der blauen Linie: Das Signal zum Gehen und Stehen reguliert Dirk über eine Gewichtsverlagerung. Ein Kraftakt, da er nur den obersten Teil seines Körpers spürt und den Druck bis zum Boden übertragen muss.

Vor dem ersten gemeinsamen Training gab es eine Einweisung durch den Hersteller. Eine neue Erfahrung für Alexa Maiwald und das Surren des Motors ein ungewohntes Geräusch auf dem Flur, denn Dirk ist der erste Exoskelett-Patient bei Rehafit im Ev. Stift. Seit inzwischen drei Monaten trainieren die beiden einmal in der Woche gemeinsam den Gang mit dem Exoskelett. Dirk bekam es vor einem knappen Jahr von der Krankenkasse finanziert – eine Investition im sechsstelligen Bereich. Um an ein solches Gerät zur häuslichen Nutzung und Therapie zu kommen, werden der individuelle Bedarf sowie die Eignung des Patienten ermittelt, ebenso die Wohnsituation. Eine starke Rumpf- und Oberarmmuskulatur sind wegen der Unterarmstützen Voraussetzung, aber auch Lähmungshöhe, Knochendichte, Größe und Körpergewicht spielen eine Rolle.

Stolz bewegt sich Dirk mithilfe des Exoskeletts über den Gang von Rehafit im Ev. Stift.

 

„Mehr noch als die körperliche Anstrengung war es am Anfang vom Kopf her schwer“, erinnert sich Dirk an die ersten Schritte. „Wenn man über 20 Jahre lang sitzend im Rollstuhl verbracht hat fällt es schwer, Entfernungen und Höhen abzuschätzen. Die gelernten Muster funktionieren nicht mehr“. Was das Exoskelett für ihn nicht leisten kann, das wusste er von Anfang an. Er wird nie wieder selbständig laufen können. Die Gehbewegungen, die das Exoskelett simuliert, sind ausschließlich technisch gesteuert. Spüren kann er davon nichts. Auch im Alltag ist das Exoskelett für ihn keine dauerhafte Alternative zum Rollstuhl. Der ist nämlich schneller und wendiger und man hat die Hände frei. Trotzdem ist das Exoskelett für Dirk eine große Erleichterung, denn das Training hat positiven Einfluss auf Begleiterscheinungen seiner Lähmung. Durch den aufrechten Gang haben sich sowohl seine Blasen- und Darmfunktion als auch die Körperhaltung verbessert. Hinzu kommt der psychologische Effekt, seinen Mitmenschen auch im physischen Sinne auf Augenhöhe zu begegnen.

Beim Aufstehen und Hinsetzen unterstützt die Physiotherapeutin Dirk. Die Unterarmstützen helfen beim Stabilisieren.

 

Laut Hersteller können durch das regelmäßige Training mit dem Exoskelett darüber hinaus auch die Knochenmasse gewahrt, das Gleichgewicht beim Sitzen verbessert sowie Schmerzen und Druckgeschwüre reduziert werden. „Für manche Patienten ist es eine sinnvolle Ergänzung, aber eine realistische Erwartungshaltung an das Exoskelett ist sehr wichtig. Ein Patient wie Dirk muss wissen, dass er dadurch nicht lernen kann, selbständig zu laufen. Deswegen ist das aus meiner Sicht nichts für Frischverletzte. Da gibt es erstmal andere Prioritäten und sie machen sich mitunter falsche Hoffnungen“, relativiert Maiwald den Einsatz von Roboterskeletten. Sie erklärt auch, dass sie in der technischen Mobilitäts- und Therapieunterstützung noch eine vergleichsweise neue Entwicklung darstellen und fortlaufend optimiert werden. Derzeit gibt es eine Reihe unterschiedlicher Geräte auf dem Markt, die sich hinsichtlich Funktion, Anwendungsbereich und Nutzungsvoraussetzungen unterscheiden. Je nach Art und Ausprägung der Rückenmarksverletzung sind damit auch Alltagsnutzen und Therapieziel bei jedem Patienten individuell. Dirk hat sich auf das Roboterskelett eingelassen und rund ein Jahr nach dem ersten Training lautet sein neues Ziel: Ein kleiner Spaziergang im Exoskelett mit seiner Frau.

 Die Physiotherapeutin ist immer in Reichweite, überwacht den Einsatz und hilft, falls erforderlich. Sie erinnert ihn auch an die aufrechte Haltung.

Rehafit therapiert erstmals mit Exoskelett

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