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„This girl is on fire“

Koblenz

Unternehmerinnentag bei der HwK informiert über die Chancen im Handwerk
KOBLENZ. Handwerk ist vielseitig, modern und … weiblich! Das war die Kernaussage des Unternehmerinnentages „This girl is on fire“ im Zentrum für Ernährung und Gesundheit der Handwerkskammer (HwK) Koblenz. In der gemeinsam initiierten Veranstaltung des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, der Investitions- und Strukturbank (ISB) Rheinland-Pfalz sowie der HwK Koblenz informierten sich 80 Teilnehmerinnen über die verschiedenen Wege und Chancen im Handwerk. Und das aus erster Hand: Fünf junge Unternehmerinnen aus der Region Koblenz informierten im gemeinsamen Dialog mit Wirtschaftsstaatssekretärin Daniela Schmitt über ihren persönlichen Werdegang und die Erfahrungen, die sie als Selbstständige gemacht haben.

Machten sich mit ihrem Plädoyer stark für Unternehmerinnen und Frauen im Handwerk (von links): Dr. Ulrich Link (Vorstand Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz), Ralf Hellrich (Hauptgeschäftsführer HwK), Dr. Anna Köbberling (Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz), Daniela Schmitt (Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz), Cornelia Willius-Senzer (Vorsitzende der FDP-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag), Kurt Krautscheid (Präsident HwK) und Bernd Hammes (Geschäftsführer HwK). (Quelle: „ISB/Alexander Sell“)

Präsident Kurt Krautscheid freute sich in seiner Eröffnungsrede darüber, dass die Rollenverteilung im Handwerk zunehmend an Bedeutung verliert: „Klassische Rollenbilder gibt es im Handwerk schon lange nicht mehr und auch in den technischen Berufen arbeiten Frauen sehr erfolgreich. 21 Prozent aller Meisterbriefe gingen 2019 in Frauenhände. Wichtig ist uns, diese Erfolgsgeschichten ins Rampenlicht zu stellen, um weitere Frauen für das Handwerk zu gewinnen. Die heutige Veranstaltung ist dafür natürlich optimal geeignet.“
Franka Rössel ist mit 23 Jahren bereits Konditorenmeisterin und Schokoladen-Sommelière. Sie war in der Ausbildung immer wieder im Ausland unterwegs, hat Erfahrungen in Belgien, Valencia und London sammeln können. „Schokolade ist eben nicht gleich Schokolade. Jede Kakaobohne jeder einzelnen Plantage hat ihren ganz eigenen Geschmack. Die Vielfalt ist unglaublich groß. Mein Ziel ist es, die unterschiedlichen Geschmackskulturen zu erhalten möglichst viele Menschen damit zu begeistern.“ Sie lebt und liebt ihr Handwerk: „Mein Beruf gibt mir die Gewissheit, abends das gute Gefühl zu haben, etwas geschafft zu haben. Es muss nicht immer das Studium sein. Hier sollten Jugendliche viel offener sein und für sich prüfen, wo ihre Neigungen, Talente und auch ihre Leidenschaften liegen.“
Staatssekretärin Daniela Schmitt brachte sich mit ihren Erfahrungen in die Podiumsdiskussion ein und ergänzte im Gespräch mit Moderator Holger Wienpahl: „Manchmal reicht der kurze Blick über den Tellerrand. Handwerk kann international gelebt werden. Auslandsaufenthalte mithilfe von Programmen wie Erasmus+ bieten eine große Chance, die nicht ungenutzt bleiben sollte.“

Den Unternehmerinnentag bei der HwK nutzten Frauen zum Erfahrungsaustausch und sprachen über Wege und Chancen im Handwerk. (Quelle: „ISB/Alexander Sell“)

 

Eine weitere Unternehmerin an diesem Abend: Julia Goray. Mit 15 Jahren hat sie ihre Ausbildung im Friseurhandwerk begonnen, 2004 folgte der Meisterbrief. Im Moment studiert sie bei der HwK den Bachelor of Arts im „Beauty Management“. „Die Leidenschaft zum Beruf ist mein Antrieb. Wenn du das liebst, was du tust, wirst du nie arbeiten müssen“, gab sie Einblicke in ihr Berufsleben. Im März hat sie den Sprung in die Selbständigkeit gewagt und bildet in der „Haarmanufaktur Koblenz“ bereits sechs Lehrlinge aus. „Die Auszubildenden sind die Fachkräfte von morgen. Wenn mir als Unternehmerin die Zukunft meines Betriebes wichtig ist, muss ich Jugendliche dafür begeistern können und mitnehmen“, lautet ihr Plädoyer für die Ausbildung.
Lena Eiler aus Koblenz, die mit ihrer Handtaschenmanufaktur „Just Lena“ das Hobby nicht nur zum Beruf gemacht hat, sondern ganz individuell zeigt, wie sich Kreativität und Erfolg im Handwerk verbinden lassen, ist der gleichen Meinung und empfiehlt Mut zum Risiko: „Der Schritt in die Selbstständigkeit ist natürlich erstmal eine Herausforderung. Aber da rate ich jedem: einfach machen! Nur wer sich traut und dabei vielleicht auch mal auf die Nase fällt, kann letztendlich Erfolg haben.“

„This girl is on fire“ – das Motto der Veranstaltung wurde ganz ohne Flamme am Schweißsimulator umgesetzt. Die Teilnehmerinnen schwärmten zwar für die Technik, doch geübt wird hier per Computersimulation.(Quelle: „ISB/Alexander Sell“)


Familie, Erfolg und Handwerk unter einem Hut? Die Geschwister Anja Debernitz und Kathrin Rosenbach, Betriebsinhaber der Sportorthopädie Rosenbach aus Koblenz, wissen, wie sich das vereinen lässt. 2005 übernahmen sie den elterlichen Betrieb. „Wichtig war für uns vom ersten Tag, mit der Zeit zu gehen, sonst holt einen die Zeit irgendwann ein“ erzählt Kathrin Rosenbach. Und so standen in der noch jungen Karriere als Betriebsinhaber Modernisierungsmaßnahmen vor der Tür. „Das ist natürlich für alle eine Belastung, besonders für unsere Mitarbeiter. Aber die Mühe war es letztendlich wert und wir haben das gemeinsam gemeistert“, sagt Schwester Anja Debernitz und ergänzt „Handwerk ist Freude. Für unsere Mitarbeiter, für unsere Kunden und für mich ganz persönlich.“
Als Moderator Holger Wienpahl zum Abschluss der Diskussionsrunde die fünf Handwerkerinnen fragt, „ob eine von Ihnen es jemals bereut hat, den Weg gegangen zu sein?“, sieht man in fünf kopfschüttelnde, glückliche Gesichter junger Frauen, die stolz auf ihr Handwerk sind.
In Ergänzung zu den Vorträgen konnten sich die Besucher an Informationsständen über Aus- und Weiterbildungsangebote der HwK sowie über Finanzierungs- und Förderprogramme informieren, mit denen das Land Rheinland-Pfalz Handwerker in ihrem Vorhaben unterstützt, einen eigenen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen. „Immer mehr Frauen nutzen die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Neugründung oder einer Unternehmensnachfolge selbstständig zu machen,“ sieht ISB-Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Link die Entwicklung durchaus positiv.

„This girl is on fire“

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